Dieser Text bezieht sich auf die Geschichte der Stadtbücherei Velbert,
die älteste Bibliothek im Velberter Bibliothekssystem. Die Büchereien
in Neviges und Langenberg wurden 1975 im Rahmen der Gemeindegebietsreform
mit der Velberter Bibliothek zur Stadtbücherei Velbert zusammengeschlossen.
1905
Am 6. Februar beschließen die Stadverordneten, eine
städtische Volksbücherei einzurichten. Sie bewilligen einen
Raum im Rathaus an der Marktstraße für die Aufstellung der
Bücher sowie einen jährlichen Zuschuß von 500 Mark aus
dem städtischen Etat. Mit einem Bestand von 1025 Büchern eröffnet
die Volksbücherei am 25. November.
Ausgeliehen werden können die Bücher jeweils samstags von 18-20
Uhr.
1906
Gegen Ende des Jahres sind in der 20.000 Einwohner zählenden Stadt
Velbert insgesamt 503 Lesekarten ausgestellt.
1907
Der Buchbestand ist auf 1699 Bände angewachsen. Wegen Überziehung
der Leihfristen werden 581 Mahnungen geschrieben; zehn Bücher müssen
durch die Polizei zurückgeholt werden.
1910
Das Bücherangebot hat sich innerhalb von fünf Jahren nahezu verdreifacht;
856 Lesekarten sind inzwischen ausgestellt.
1911
Ein zweiter Öffnungstag (Mittwoch) wird eingeführt und eine spezielle
"Jugendschriftenabteilung" eingerichtet. Der 1905 gegründete
Leseverein, der sich in seiner Satzung dazu verpflichtete, die Stadtbücherei
finanziell und personell zu unterstützen, führt eine Neuerung
ein: Statt Geld spenden gibt es nunmehr ausschließlich Buchspenden.
1913
Die Bücherei initiiert erste kleine Ausstellungen, von denen eine "Jugendbuchausstellung"
mit 800 Besuchern die größte Aufmerksamkeit auf sich zieht.
1918
Umzug der Bücherei vom Rathaus in das "Küllsche
Haus" am Denkmal.
1919
Mit Dr. Willhelm Fentsch bekommt die Stadtbücherei als erste im Kreis
Mettmann zum 1. Oktober ein hauptamtlichen Bibliothekar, der die drei ehrenamtlichen
"Buchverwalter" ablöst. Am 7. Dezember wird der Bücherei
eine Lesehalle angegliedert, für die 15 Tageszeitungen sowie 45 Periodika
abonniert werden. Hinzu kommen zahlreiche Lexika. Die Gebührenfreiheit
für jugendliche Leser entfällt. Der Büchereietat beträgt
jährlich 4000 Mark.
1920
Zu den Neuerungen unter Dr. Fentsch gehört die Einführung täglicher
Öffnungszeiten. Der Volksausschuss legt die Mindestausleihzeit auf
drei Tage fest. Die Bücherei hat 2063 Leser (43 Prozent davon sind
Arbeiter); Velbert zählt knapp 25000 Einwohner. Die Abschaffung der
Gebührenfreiheit für Jugendliche führt dazu, dass weniger
die Angebote der Bücherei nutzen.
1926
Der Hörfunk entwickelt sich zu einer ernsthaften Konkurrenz für
das Buch. Vor allem jugendliche Leser bleiben der Bücherei zunächst
einmal fern.
1927
Die Zahl der Leser steigt wieder; 900 Lesekarten sind ausgestellt. Die Einwohnerzahl
hat sich auf nahezu 27000 erhöht.
1929
Die Lesehalle wird pro Jahr von annähernd 16000 Besuchern genutzt.
Wegen der wieder steigenden Nachfrage durch jugendliche Leser wird die Jugendbuchabteilung
weiter ausgebaut und erreicht einen Anteil von neun Prozent am Gesamtbuchbestand
der Bücherei.
1930
Es werden Überlegungen angestellt, die Bücherei in das umgebaute
und vergrößerte Rathaus zu verlegen.
1933
Die Nationalsozialisten lassen alle Bücher aus der Stadtbücherei
entfernen, die sie als "undeutsch" einstufen, darunter Werke von
Heinrich Heine und Erich Maria Remarque.
1938
Umzug der Bücherei in ein eigenes Gebäude, den "Offers".
1942
Der Buchbestand ist auf 17000 Bücher angewachsen.
1945
Die alliierte Besatzungsmacht lässt nationalsozialistisches und militaristisches
Schriftgut aus dem Buchbestand entfernen, darunter auch Hitlers "Mein
Kampf". Durch das amtliche Mitteilungsblatt werden die Leser am 12.
Mai aufgefordert, die seit Februar fälligen Bücher nunmehr zurückzubringen.
1950
Neuer Büchereileiter wird Rolf Fahrenkrog, der 1908 in Wuppertal geboren
wurde.
1951
Vom 1. Oktober an können Bücher gebührenfrei
ausgeliehen werden, wodurch sich die Ausleihzahlen innerhalb weniger Monate
nahezu verdoppeln.
1953
Während auf einen Einwohner in NRW statistisch gesehen 0,20 Bücher
entfallen, sind es in Velbert 1,7.
1960
Die Bücherei zieht vom "Offers" in die Oststraße
und stellt dabei auf Freihandausleihe um. Für den Leser bedeutet
dies: Er kann sich nunmehr sein Wunschbuch eigenhändig aus dem Regal
nehmen. Die Kinder- und Jugendbücherei erhält einen besonderen
Raum mit eigenem Eingang.
1969
Anneliese Henrich übernimmt die Leitung der Stadtbücherei.
1970
Start der Aktion Kindergarten. Mitarbeiter der Stadtbücherei bieten
Kindern im Vorschulalter zweimal pro Woche Gelegenheit altersgerechte Bücher
in ihrer gewohnten Umgebung kennen zu lernen.
1972
Zur optimalen Bestandserschließung werden Schlagwortkatalog und ein
biographischer Katalog eingerichtet.
1974
Studenten der Hochschulen Wuppertal und Essen fragen auch in Velbert verstärkt
nach wissenschaftlicher Literatur. Die Bücherei baut daraufhin den
pädagogischen, psychologischen und soziologischen Bestand weiter aus.
1975
Durch den Zusammenschluß der Städte Langenberg, Neviges und Velbert
entsteht das Bibliothekssystem "Stadtbücherei Velbert" mit
einer Zentralbibliothek in Velbert-Mitte und Außenstellen in Langenberg
und Neviges.
1977
Das bisher dezentral organisierte Mahnsystem wird in Velbert-Mitte konzentriert.
Eine fotomechanische Verbuchungsanlage wird eingeführt.
1979
Die Bücherei hat 10121 Leser. Statistisch gesehen nutzt damit fast
jeder zehnte Bewohner Velberts die Stadtbücherei.
1980
Teilnahme an der Jugendbuchausstellung "25 Jahre Deutscher Jugendbuchpreis".
1982
Ingeborg Körner wird mit der Leitung der Stadtbücherei beauftragt.
Die Bücherei wechselt in das neue Kulturzentrum der Stadt. Im "Forum
Niederberg" erhält sie größere Räume und eine
zeitgemäße Ausstattung. Walter Kempowski liest während der
Eröffnungsfeier aus seiner "Deutschen Chronik".
1985
Neue Leiterin der Bücherei wird Marianne Müller.
1987
Die Kinderbücherei bekommt ein Stoffnilpferd als Maskottchen, das auf
den Namen "Polli" getauft, schnell zu einem bekannten Symbol wird.
1989
Eva Meier wird Leiterin der Stadtbücherei.
1991
Weil Bücher nicht termingerecht zurückgebracht werden, muss die
Rückgabe von ca. 32500 Medien schriftlich angemahnt werden.
1995
"Shareware" heißt der neue Service, bei dem Software-Autoren
ihre neuesten Programme zum freien Ausprobieren ohne Lizenzgebühren
zur Verfügung stellen. Mehr als 700 Shareware-Disketten können
in der Stadtbücherei ausgeliehen werden.
Die Bibliothek selbst führt das EDV-System "URICA" ein
und beginnt mit der schrittweisen Umstellung aller automatisierbaren Bereiche
im Bibliotheksbetrieb.
Ab 1. Oktober tritt eine neue Gebührenordnung in Kraft, Erwachsene
zahlen einen Jahresbeitrag von 20 Mark. Aus bildungspolitischen Gründen
brauchen Kinder und Jugendliche bis zum 17. Lebensjahr nichts zu bezahlen.
Ihnen soll der Zugang zum Lesen nicht durch finanzielle Barrieren erschwert
werden. Neu ist, dass die Einnahmen aus der Jahresbenutzungsgebühr
erstmals zweckgebunden sind und dem Medienetat der Stadtbücherei
zugute kommen.
1997
Der erste öffentlich zugängliche Internet-Arbeitsplatz wird im
Rahmen eines kreisweiten Projekts in der Zentralbibliothek Velbert-Mitte
eingerichtet.
1998
Am 27. Juli ist die Umstellung auf den EDV-gestützten Bibliotheksbetrieb
nach dreieinhalb Jahren Vorbereitungszeit erfolgreich abgeschlossen. Äußerlich
sichtbare Zeichen sind die PCs an allen Arbeitsplätzen der Bücherei
und der neue computerlesbare Bibliotheksausweis
im Scheckkartenformat für die Medienausleihe. Jeder Kunde kann
jetzt an den PCs selbständig recherchieren,
Medien verlängern, vorbestellen oder sein persönliches Bibliothekskonto
einsehen.
2000
Im September wird die EDV auf das Programmsystem "Bibliotheca 2000"
umgestellt. Die Stadtteilbüchereien Langenberg und Neviges werden an
das neue System angeschlossen.
2002
Der Anteil der so genannten "Non-Book-Medien" erreicht einen Anteil
von nahezu zehn Prozent am Gesamtbestand.
Eine eigene Homepage macht die Bücherei im Internet präsent.
Mit BIBNET ist die Stadtbücherei
Velbert darüber hinaus im ersten gemeinsamen Online-Medienkatalog
aller Stadtbibliotheken eines Kreises in NRW online vertreten. Sie ist
einer der ersten Bibliotheken im Kreis Mettmann, die über den Online-Katalog
auch interaktive Servicefunktionen wie Leihfrist- Verlängerungen
und Vorbestellung ausgeliehener Medien für ihre Bibliothekskunden
anbieten kann.
Veranstaltungen der Stadtbücherei aus dem Zeitraum 2002-2007 wurden in Auswahl auf der Webseite dokumentiert.
Ausserdem wird eine Premiere gefeiert: Speziell für die Stadtbücherei liest Schauspieler und Regisseur René Sydow
aus "Der Herr der Ringe - Die zwei Türme". Die Veranstaltung kommt sehr gut an, daher folgt im Jahr 2003
der letzte Teil der Trilogie, "Die Rückkehr des Königs".
2003
Jacques Berndorf, Autor der Eifel-Krimis, liest in der Zentralbibliothek.
Die Stadtbücherei beteiligt sich an der Neanderland-Biennale:
Comedian und Autor Herbert Feuerstein trägt im Spiegelzelt Episoden aus "Feuersteins Reisen" vor und zeigt dazu Filmausschnitte.
2004
Mit 418622 Medienausleihen, 189689 Bibliotheksbesuchern und 6443 Teilnehmern
am vielseitigen Veranstaltungsprogramm erzielt die Stadtbücherei Velbert
mit der Zentralbibliothek und den beiden Zweigstellen ein Rekordergebnis
in ihrer fast hundertjährigen Geschichte.
Auch in diesem Jahr kommen prominente Gäste:
Uta Ranke-Heinemann
tritt im Rahmen einer Kooperationsveranstaltung mit dem Verein Bücherstadt Langenberg im Bürgerhaus Langenberg auf.
Bestseller-Autorin
Rebecca Gablé liest aus ihrem Buch "Die Siedler von Catan".
2005
Die Stadtbücherei Velbert feiert Geburtstag. Mit einem Festakt,
einer Jubiläumsschrift, einer umfangreichen Ausstellung und einem
großen Fest würdigt sie ihr 100jähriges Bestehen.
Im Veranstaltungs- Rückblick finden Sie
Fotos
von den Aktionen zum 100-jährigen Jubiläum.
Die Daten und Fakten zur Geschichte der Stadtbücherei Velbert wurden
zusammengestellt von Christoph Schotten, Leiter des Stadtarchiv
Velbert, erstmalig veröffentlicht in der Festschrift zum 100-jährigen
Jubiläum der Stadtbücherei Velbert. Das historische Bildmaterial
stammt aus dem Stadtarchiv Velbert.
Quelle: 100 Jahre Stadtbücherei Velbert / Hrsg. Stadt Velbert. -
Velbert, 2005. - 123 S. : zahlr. Ill.
Im Jubiläumsjahr 2005 ist Comedian
Dirk Bach anlässlich der Neanderland-Biennale zu Gast und
liest aus Walter Moers Buch "Die Stadt der träumenden Bücher".
2006
Die Stadtteilbibliothek Langenberg wurde 100 Jahre alt. Mehr
zum Jubiläum der Stadtteilbibliothek Langenberg im Veranstaltungs-
Rückblick.
In der Zentralbibliothek ist der Autor Ralf Isau zu Gast.
2007
Im Rahmen der Neanderland-Biennale wagt die Stadtbücherei ein literarisch-musikalisches Experiment:
Die
"Lit_Box" ist eine 120-minütige Klangcollage,
nicht wiederholbar und exklusiv aufgeführt in der Zentralbibliothek.
2008
Die Leitung der Stadtbücherei wird von Anja Bley übernommen.
Das Medienangebot der Bibliothek wird
um digitale Medien im Rahmen der
Onleihe sowie
um Spielfilm-DVDs erweitert.
2009
Die Stadtteilbibliothek Neviges wurde 100 Jahre alt. Am Freitag, den 2. Oktober 2009 wurde dieser Anlass
mit einem Bibliotheksfest gefeiert. Im Mittelpunkt der Feier stand u.a. eine Ausstellung historischer Nevigeser Stadtansichten.
Im Rahmen des Landesmittelprojektes "Lernbegleiterin Bibliothek" werden in allen drei Velberter Bibliotheken
Schülercenter eingerichtet, in denen alle schülerrelevanten Medien an einem Ort zu finden sind.
Ausserdem gibt es die Möglichkeit zur Laptop-Ausleihe vor Ort.
Bestseller-Autor Michael Winterhoff referiert in der Zentralbibliothek über sein Buch
"Warum unsere Kinder Tyrannen werden".
2010
Am Weltfrauentag (8. März) war
Mirja Boes zu Gast in der Zentralbibliothek.
Die aus Film und Fernsehen bekannte Comedian las aus "Boese Tagebücher" und riss ihr begeistertes
Publikum zu heftigen Lachanfällen hin. Ca. 300 Besucher waren gekommen, um Mirja Boes live zu erleben.